
Am Donnerstag, den 14.11.2024 trafen sich interessierte Sattelschweinzüchter zu ihrem jährlichen Erfahrungs- und Informationsaustausch im Zoo Schwerin.
Der Zoo Schwerin hatte uns das Rote-Liste-Zentrum als Tagungsort zur Verfügung gestellt, von dem aus nach der BEgrüßung durch Frau Schilling vom Zoo Schwerin und Sabine König vom Schweinezuchtverband B.W. uns Herr Peter in seiner Funktion als Zoo-Pädagoge auf einen etwa 1 1/2-stündigen Rundgang mitnahm.
Während wir viele exotische und heimische Tierarten bestaunten, "fütterte" uns Herr Peter auf sehr unterhaltsame Art und Weise mit nahezu unerschöpflichem Basis- und Hintergrundwissen zu den jeweiligen Tierarten. Vor allem haben wir einen Einblick in und ein "Bewußtsein" für das Engagement und die Notwendigkeit von Zoos im Allgemeinen - und dem Zoo Schwerin im Besonderen - in Bezug auf den Erhalt der Artenvielfalt bekommen. Der Zoo Schwerin engagiert sich in diesem Zusammenhang zunehmend und vielfältig aktiv in konkreten Artenschutzprojekten und ist weltweit mit diversen Projektpartnern vernetzt.
Wemig überraschend wollte die anschließende Flut an Nachfragen an Herrn Peter beinahe kein Ende nehmen und die Gespräche setzten sich bis in die Mittagspause fort.
Ergänzt und erweitert wurde die Thematik rund um die Erhaltung der Artenvielfalt durch den anschließenden Vortrag von Frau Feldmann, Geschäftführerin der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH).
Frau Feldmann berichtete, dass von weltweit 8.300 bekannten Nutztierrassen bereits 664 als ausgestorben gelten. Über 20 % der verbleibenden Rassen sind vom Aussterben bedroht und werden auf der "Roten Liste" der FAO (Food and Agricultur Organization/Welternährungsorganisation) geführt. Dabei ist eine abschließende Einschätzung nicht möglich, da die Populationen etlicher Spezies aus strukturellen, technischen und/oder praktischen Gründen bislang nicht erfasst werden.
In Deutschland ist die Situation ähnlich: Die GEH, der auf nationaler Ebene in Deutschland die Erstellung der Roten Liste obliegt, definiert aktuell 176 Nutztierrassen als gefährdet. Im Jahr 1981 als gemeinnütziger Verein gegründet, engagieren sich die ca. 2.200 Mitglieder größtenteils ehrenamtlich in Form von Tierzucht, Öffentlichkeits- und Gremienarbeit, Begleitung wissenschaftlicher UNtersuchungen und Durchführung von Arche-Projekten für den Erhalt bedrohter Nutztierrassen.
Dabei sind gefährdete Rassen bedeutsam, da sie oftmals Vorteile für die Landschaftspflege und das ökologische Gleichgewicht einer Region oder Landschaft besitzen und/oder besondere Kennzeichen in Form, Farbe oder Verhaltensweise (genetische Diversität) aufweisen. Gefährdete Nutztierrassen sind daher wichtige Ressource und Kulturgut zugleich und bedürfen des besonderen Schutzes. Die Tatsache, dass die Beobachtung bedrohter Nutztierrassen der WELTERNÄHRUNGSORGANISATION obliegt, mag die Bedeutung für die menschliche Versorgung unterstreichen.
In dem anschließenden Vortrag von Sabine König vom Schweinezuchtverband B.W. ging es um die Grundlagen und die praktische Anwendung der Homöopathie in der Schweinezucht. Nach einem kurzen Abriss über Entstehung und Geschichte der Homöopathie umfassten die folgenden Grundlagen die wesentlichen von Hahnemann definierten Grundprinzipien, wie - allenn voran - die Ähnlichkeitsregel, die besagt, dass jenes Homöopathikum geeignet ist, eine Krankheit zu lindern/zu heilen, welches - beim gesunden Organismus angewandt, eben die beobachteten Symptome auslöst. Dabei definieren WHO (World Health Organization/Weltgesundheitsorganisation) und Homöopathie Gesundheit als "Zusatnd des vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens" und nicht lediglich als "Abwesenheit von Krankheit".
Dementsprechend umfassen sowohl die individuelle Fallaufnahme eines Patienten (Anamnese) als auch die Eigenschaftsbeschreibungen von Homöopathika physische, psychische und lebenssituationsbeschreibende Aspekte. Die Homöopathika selbst sind pflanzlichen, tierischen, mineralischen oder metallischen Ursprungs. Durch (mehr-/vielfache) Verdünnung des Ausgangsstoffes (Urtinktur) nach einer bereits von Hahnemann beschriebenen Arbeitsroutine entstehen potenzierte Homöopathika in Form von Lösungen, Tabletten, Globuli oder Salben und Tinkturen, die dem Prinzip kleinstmöglicher Arzneimittelgaben Rechnung tragen.
Abgerundet wurde der Vortrag durch Hinweise auf die Rechtssituation beim Einsatz von Homöopathika bei Nutztieren und dem Aufzeigen von Grenzen der Homöopathie.
Die in dem Part "praktische Anwendung" zusammengefassten Arzneimittelbilder und Literaturhinweise finden Interessierte hier im letzten Drittel der kompletten Präsentation Grundlagen_der_Homöopathie.
Abgerundet wurde der Tag durch die Neuigkeiten aus dem Zuchtverband, die im Wesentlichen fusionsbedingte, organisatorische Veränderungen enthielten, sowie die Entwicklung der Sattelschweinzucht in Zahlen, vorgetragen von Rainer Sthamer für das Angler Sattelschwein und Sabine König für das Deutsche Sattelschwein. Zusammenfassend stagniert die Sattelschweinzucht insgesamt auf dem Niveau der letzten Jahre. Einzelne genetische Linien, insbesondere auf der Eberseite, müssen aktuell als "extrem gefährdet" angesehen werden. Die ausführliche Darstellung finden Interessierte ebenfalls im Anhang Sattelschweine 2024 in Zahlen.
Insgesamt haben wir einen erkenntnisreichen und "runden" Tag erlebt, wofür wir uns dan dieser Stelle nochmals insbesondere beim Zoo Schwerin bedanken dürfen.